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Deutscher Steuerberatertag 2018: Die „neue“ Zukunft der Kanzleien

Vom 7. bis 9.10.2018 fand in Bonn der 41. Deutschen Steuerberatertag des DStV statt. Über 1.500 Teilnehmer aus Berufsstand, Politik, Richterschaft, Finanzverwaltung und Wissenschaft folgten der Einladung in das neue World Conference Center im ehemaligen Regierungsviertel am Rhein. Unter dem Motto „Erfolg Gemeinsam Steuern“ eröffnete der Präsident des Deutschen Steuerberaterverbands e.V. (DStV), StB/WP Harald Elster die Veranstaltung und zeigte in seiner Eröffnungsansprache die Herausforderungen des aktuellen Kanzleialltags auf. Schnörkellos mahnte er den Gesetzgeber, seinen weiten gesetzgeberischen Spielraum zu nutzen, um praktikable und administrierbare Regelungen, statt immer neue bürokratische Hürden zu schaffen.

Den Blick auf die voranschreitende Digitalisierung gerichtet, sieht Elster besonders in der Kommunikation mit den Finanzbehörden „noch zu viele analoge Stolpersteine im Weg liegen“. Trotz des Wechsels von der Belegvorlagepflicht zur jetzt geltenden Belegvorhaltepflicht fordern die Behörden vielfach nachträglich Unterlagen an, bescheiden abweichend und lassen Sonderausgaben und Werbungskosten mangels Belegen außen vor. Die Möglichkeit, Belege elektronisch an die Finanzbehörden zu senden, lässt weiter auf sich warten.

„Solange die von allen Beteiligten herbeigesehnte medienbruchfreie Kommunikation nicht funktioniert, erwarte ich von der Finanzverwaltung Unterstützung“, verlangte Elster. „Wir fordern eine bundesweite Regelung dazu, welche Unterlagen für ein möglichst reibungsloses Veranlagungsverfahren eingereicht werden sollten. Eine solche Richtschnur würde sowohl unseren Alltag, als auch den in den Finanzämtern enorm erleichtern!“

Anzeigepflicht für Steuergestaltungen

„Fangen Sie in grenzüberschreitenden Fällen besser gestern als heute mit der Datensammlung an!“, rät Präsident Harald Elster zu diesem Thema eindrücklich. Seine Empfehlung resultiert aus der EU-Richtlinie für die Meldepflicht für grenzüberschreitende Steuergestaltungen. Seit der Veröffentlichung des Richtlinien-Entwurfs 2017 steht die Unbestimmtheit der EU-Direktiven in der Kritik und Konkretisierungen werden gefordert – bislang ohne Erfolg. Elster zeigt sich enttäuscht: „Solch vage Vorgaben forcieren Streitigkeiten mit der Finanzverwaltung und drängen die Betroffenen in den Sanktionsbereich. Nicht nur Brüssel, sondern auch der nationale Gesetzgeber lässt uns im Stich!“ Zusätzlich prüft das BMF mit den Ländern, wie eine Anzeigepflicht für inländische Steuergestaltungen bei der Umsetzung der EU-Regelungen berücksichtigt werden kann. Der DStV-Präsident appelliert daher an den Gesetzgeber: „Werden Sie sich Ihrer Verantwortung für praktikable und administrierbare Gesetze bewusst! Statt sich einem Richtlinien-Umsetzungs-Exzess hinzugeben, müssen die EU-Vorgaben präzisiert und mit dem neuen Instrument erst einmal Erfahrungen gesammelt werden!“

Reform der Grundsteuer

Rund 35 Millionen Grundstücke warten auf eine neue Bewertung und bei allen derzeit bekannten Modellen geht Berlin davon aus, dass eine gesonderte Steuererklärung erforderlich sein wird. In seiner Rede mahnt DStV-Präsident Elster daher eine rechtssichere und unbürokratische Reform an. Die Mehrheit der Grundstückseigentümer wird sich zur Bewältigung der Erklärungspflicht an die Berufskollegen wenden. „Grob überschlagen kämen auf jeden von uns 400 Grundstücksbewertungen zu“, so der DStV-Präsident. Ein einfaches und administrierbares Modell, das auf die Grundstücksfläche abstellt, könnte die Lösung sein – zumal dadurch auch die Finanzverwaltung entlastet würde. Sein Appell an die Bundesregierung: „Nutzen Sie Ihren weiten gesetzgeberischen Spielraum! Schaffen Sie ein transparentes, rechtssicheres und vor allem unbürokratisches Bewertungsverfahren!“

Klarheit beim Datenschutz

Im Fokus der steht die sogenannte Auftragsverarbeitung. Auch hierzu fordert Elster eine klare Linie. Es könne nicht sein, dass es in dieser Frage vom Zufall abhänge, ob man diesseits oder jenseits einer Landesgrenze tätig sei oder Mandanten betreue. Offenbart fehle den Datenschutzbehörden das Verständnis, was einen freien Beruf auszeichne. Steuerberater haben ihren Beruf unabhängig, eigenverantwortlich und gewissenhaft auszuüben. Sie können damit unmöglich Auftragsverarbeiter sein, so der DStV-Präsident weiter. Die Landesbehörden müssen nunmehr zügig eine bundesweit einheitliche Handhabung zur Frage der Auftragsverarbeitung sicherstellen. Anderenfalls werde der Berufsstand auf eine rechtliche Klarstellung durch den Gesetzgeber drängen, schloss Elster.

Vertragsverletzungsverfahrens

Als gewaltige Keule gegen den Berufsstand bezeichnete Elster die Einleitung eines Vertragsverletzungsverfahrens gegen Deutschland durch die EU-Kommission. Die im Steuerberatungsgesetz geregelten Vorbehaltsaufgaben würden einen Verstoß gegen EU-Recht darstellen. „Es geht um die Zukunft unseres Berufsstands.“ Denn im Gegensatz zur Auffassung der EU-Kommission, so betonte Elster, sei der steuerberatende Beruf sehr wohl komplex und erfordere hohe Qualitätsansprüche. Der Verband steht derweil im engen fachlichen Austausch mit dem Bundesfinanzministerium und unterstützt die Bundesregierung, um bereits in der momentanen Anhörungsphase die offensichtlichen Fehleinschätzungen der EU-Kommission zu korrigieren und die Hintergründe der deutschen Regelungen zu erläutern. Sollte die EU-Kommission aber Erfolg haben, werde dies den Steuerberaterberuf und andere freie Berufe grundlegend verändern. Elster gab daher auch direkt den Tenor für die kommenden Monate vor: „Wir müssen und werden für unseren Beruf kämpfen!“

Aus dem Programm

Erfolgsfaktor Kanzleiteam: Eine signifikante Neuerung in diesem Jahr war das Forum für Kanzleimitarbeiter, mit besonderen Angeboten zur fachlichen und persönlichen Kompetenzentwicklung. Gerade im Zuge der rasch voranschreitenden Digitalisierung und die damit verbundene Umsetzung in der Kanzlei können Mitarbeiter einen entscheidenden Beitrag leisten. Kanzleileitung und Mitarbeiter müssen flexibel bleiben, um der neuen Arbeitsumgebung gerecht zu werden und den Mandanten auch in Zukunft interessante Dienstleistungen anbieten zu können. In den Diskussionsrunden wurden technologische Entwicklungen besprochen, Chancen und Risiken abgewogen, konkrete und erprobte Ideen ausgetauscht. Strategien zur Weiterentwicklung der Kanzlei standen bei der vorgestellten Innovationsmethode „Design Thinking“ im Focus. Sie bietet sich an um neue Services und Geschäftsfelder zu entwickeln. Dabei stehen die Bedürfnisse der Mandanten im Mittelpunkt und die Lösungen werden aus seiner Sicht formuliert. Einen spannenden Ansatz zur Mitarbeiterführung beleuchtete der Vortrag „Wege zum Hochleistungsteam“. Feuerwehr oder Formel 1-Crews stellten die Parameter wie man in unüberschaubaren Situationen innerhalb kürzester Zeit, flexibel und situationsgerecht handelt. Diese Erfolgsfaktoren lassen sich auch auf Steuerberatungskanzleien übertragen.

Start frei für die Zukunft: Die zukünftigen Möglichkeiten sind für die steuerberatenden und prüfenden Berufe heute so wichtig wie nie zuvor. Eine Branche, die mehr als alle anderen die Zukunft im Visier hat, ist die Raumfahrt. Unter dem Titel „Space 4.0 - Raumfahrt für die Zukunft" ermöglichte Prof. Dr. Johann-Dietrich Wörner, Generaldirektor der europäischen Weltraumorganisation ESA, eine Sicht aus einer neuen Perspektive. Eindrücklich zeigte er in seinem Vortrag die Entwicklung des Weltraumprogramms in den letzten Jahrzehnten und schlug immer wieder den Bogen, wie Steuerberater von den gewonnenen Kenntnissen profitieren können. Auch das weitere Programm beschäftigte sich mit Entwicklungen unserer Zeit. Besonderes Interesse erzeugte dabei Christian Solmecke, LL.M., der mit über 30 Millionen Videoabrufen den erfolgreichsten Juristen-Kanal in Europa betreibt. Er nahm die Teilnehmer mit in die Welt von YouTube und Co.. Der Kölner Anwalt zeigte in seinem praxisnahen Vortrag „10.000 Mandanten über YouTube - Wie ein Anwalt mit Story Telling zum Social Media Star wurde“, welche Plattformen sich auch für Steuerberater lohnen und wie hoch die technischen Anforderungen sind. Die Fachausstellung mit über 60 Ausstellern aus der gesamten Branche, zahlreiche Workshops und Fortbildungen rundete das Programm ab.

Weitere Informationen und einen Video-Rückblick zum Deutschen Steuerberatertag 2018 finden Sie hier oder unter www.steuerberatertag.de.

2019

Der 42. Deutsche Steuerberatertag findet vom 20. – 22.10.2019 im Maritim Hotel Berlin statt. 

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Zunächst ein Blick zurück ins Jahr 2017:

Wer seine Einkommensteuererklärung für 2016 noch nicht geschafft hat, sollte sich jetzt beeilen. Bereits Ende Mai 2017 lief die gesetzliche Frist ab; wer steuerlich vertreten ist, konnte sich auf die Fristverlängerung für die steuerberatenden Berufe zurückziehen, die meist bis zum 31.12.2017 (in einigen Bundesländern sogar bis zum 28.02.2018) reicht.

Für Arbeitnehmer, die nicht zur Abgabe einer Steuererklärung verpflichtet waren, konnte bis 31.12.2017 noch rückwirkend bis zum Steuerjahr 2013 eine Veranlagung beantragt werden; in 2018 rückwärts bis 2014. Die möglichen Erstattungsansprüche werden zum Teil lukrativ mit 6 % vom Finanzamt verzinst. Da in den vergangenen Jahren die Erstattungen durchschnittlich bei 900 Euro lagen, lohnt es sich für viele Arbeitnehmer, eine Steuererklärung einzureichen, auch wenn keine Pflicht besteht.

Zum 1.1.2018 stehen Millionen von Dienst- und Geschäftswagennutzern wieder vor der Entscheidung wie sie ihr Fahrzeug im kommenden Jahr versteuern: Pauschale 1%-Regelung oder Fahrtenbuchmethode? Beim wachsenden Angebot digitaler Fahrtenbücher sollten Verbraucher ein besonderes Augenmerk auf die rechtliche Konformität legen, warnt der Landesverband der steuerberatenden und wirtschaftsprüfenden Berufe in Bayern (LSWB).

Unter dem Motto „Nachhaltigkeit: diskutieren, leben, weitergeben“ fand am 13. Oktober in München der erste Nachhaltigkeitstag des Landesverbands der steuerberatenden und wirtschaftsprüfenden Berufe in Bayern (LSWB) statt. Die Veranstaltung richtete sich an Kanzleiinhaber und Nachhaltigkeitsbeauftragte und sollte den Blick auf ganz verschiedene Facetten der weitläufigen Materie werfen, die bei weitem nicht beim Thema Umweltschutz endet.  


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